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30.12.2017 р., 22:30

Großer Gefangenenaustausch: Ukraine setzt Kampf für Befreiung anderer Gefangenen fort

Die Ukraine werde auch weiter ihr Bestes tun, um alle Gefangene auf okkupierten Territorien zu befreien. Das erklärte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko im Flughafen der Stadt Charkiw, wo er die befreiten Ukrainer getroffen und mit dem Präsidialflugzeug nach Kyjiw gebracht hat. Der langersehnte große Gefangenenaustausch hat erfolgreich stattgefunden. Nach präzisierten Angaben kehrten auf das von der Regierung kontrollierte Territorium 73 anstatt 74 Bürger. Eine Frau ist in Donezk geblieben, wo ihre Familie zur Zeit lebt.   

O-TON: Wir werden unseren Kampf fortsetzen, um unsere Jungs aus der Gefangenschaft herauszuholen. Das ist äußerst wichtig. Die Ukraine lässt ihre Bürger in Stich nicht. Ich bin sicher, die Ukrainer, die dort noch geblieben sind, werden das hören. Wir werden mit verdoppelter Energie daran arbeiten, damit das möglichst schnell passiert.  

- so der ukrainische Präsident Petro Poroschenko.
Das Flugzeug mit befreiten Gefangenen landete im hauptstädtischen Flughafen Boryspil gleich nach Mitternacht auf Donnerstag. Hunderte Menschen, Verwandte und Journalisten sowie alle nicht gleichgültige Mitmenschen versammelten sich dort. Den befreiten Oleksandr Olijnyk aus der 128. Brigade erwarteten seine Mutter und Kameraden.

O-TON: Fast 3,5 Jahre habe ich ihn nicht gesehen. Seit dem 2. August 2014 bis zum 27. Dezember 2017. Anderthalb Jahre habe ich seine Stimme nicht gehört. Und jetzt hat er mich angerufen und gesagt: Mama, ich bin schon da. Was er noch gesagt hat, habe ich nicht gehört, denn ich bin ohnmächtig geworden.



Sein Regimentskamerad Maksym sagte, er sei unheimlich froh, dass sein Freund heimkehrte.


O-TON: Ich bin Maksym aus der 128-sten Brigade der Kundschafterkompanie. Wir waren mit Oleksandr Olijnyk Scharfschützen. Ich war so froh, als ich erfahren hatte, dass mein Freund in der Liste der Befreiten war. Glauben Sie nicht, wenn man sagt, Männer weinen nicht. Das ist eine totale Lüge.

Jetzt warten ukrainische Ärzte auf befreite Landsleute, um ihnen notwendige medizinische Hilfe zu leisten. Alle werden unbedingt eine Rehabilitation machen. Damit diese Menschen möglichst schnell heimkehren, sollte die Ukraine der anderen Seite 306 Personen übergeben. Laut den präzisierten Angaben gingen auf das nicht kontrollierte Territorium des Donbass 233 Personen. Die anderen Personen haben auf ihre Rückkehr verzichtet. Das bestätigten die Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes, die den Gefangenenaustausch begleitet haben.

Den großen Gefangenenaustausch haben viele Länder und internationale Organisationen begrüßt. Darunter - die USA, Deutschland, Frankreich und die OSZE. Ihre Bereitschaft auf die Fortsetzung der Verhandlungen über den weiteren Gefangenenaustausch hat auch Russland geäußert. Die neue mögliche Formel des Austauschs heißt „29 Ukrainer gegen 74 Separatisten“. Der Leiter des ukrainischen Geheimdienstes SBU Wasyl Hryzak teilte am Vorabend mit, 103 Menschen bleiben in der Gefangenschaft auf dem okkupierten Territorium. Mindestens 402 Personen gelten als vermisst. Seit dem Beginn des Donbass-Konflikts seien ihm zufolge, 3215 Menschen befreit oder gefunden.  


Ostukraine: Keine richtige Waffenruhe ganze Woche lang

Im Raum des Donbass-Konflikts herrschte innerhalb der Woche die ab dem 23. Dezember erklärte sogenannte Weihnachts- und Neujahrswaffenruhe. Die Lage blieb jedoch weiter unruhig. Das russische Kommando der Besatzungstruppen nutzt die erklärte Waffenruhe für eine aktive Militäraufklärung. Fast in der jeder Mitteilung des Operativstabs in dieser Woche ging es um die Intensivierung feindlicher Aufklärung die gesamte Trennlinie entlang. Und dabei nicht nur mithilfe der Drohnen. Eine Drohne wurde am Dienstag bei der Siedlung Luhanske festgestellt. Sie hat die Zielaufklärung für Minenwerfer geführt. Und am Mittwoch ist ein feindlicher Spähtrupp während des heimlichen Übergangs der Frontlinie in eigene Sprengfalle geraten. Und am Donnerstag wurde mitgeteilt, 2 Aufklärungsdrohnen des Gegners seien innerhalb der letzten 24 Stunden wieder über den Verteidigungslinien der Antiterrorkräfte beobachtet worden, informierte Wasyl Labaj, der Presseoffizier des Operativstabs der Antiterroroperation Es sei ihm zufolge sogar gelungen, eine unbemannte Flugmaschine abzuschießen.

O-TON: Der Gegner intensivierte noch mehr die Aufklärung mithilfe der Drohnen, die von den Minsker Vereinbarungen verboten sind. Eine Drohne wurde über dem sogenannten Switlodarsk-Bogen beobachtet. Gegen 22 Uhr bei der Siedlung Kurdjumiwka wurde eine russische Drohne von Typ „Orlan-10“ von ukrainischen Militärangehörigen abgeschossen. Zurzeit werden die Bruchstücke der Flugmaschine gesucht.  

Die russischen Besatzungstruppen setzten die Feuerattacken auf die Stellungen der ukrainischen Armee fort. Die Zahl der Beschießungen im Laufe der Woche blieb aber relativ niedrig und schwankte zwischen 2 und 6. Geschwiegen haben die von den Minsker Vereinbarungen verbotenen Rohrwaffen großen Kalibers über 100 mm. Nur am Montag wurde ein Einsatz der 120-mm-Minenwerfer bei der Siedlung Pawlopil festgestellt. Geschwiegen haben auch die Waffen der Antiterrorkräfte. Feuer in Antwort auf die feindlichen Provokationen wurde nicht eröffnet. Trotz der Waffenruhe gab es in dieser Woche weitere Verluste in den Reihen der Antiterrorkräfte. Infolge der Beschießungen ist ein ukrainischer Militärangehöriger ums Leben gekommen und 7 wurden verwundet. Verwundungen bekam auch ein Nationalgardist, der in eine Sprengfalle geraten war     
                                                                         
                                                        
Biometrische Kontrolle an ukrainischer Grenze gestartet

Ab dem 27. Dezember werden die Ausländer, die in die Ukraine einreisen, biometrische Kontrolle an der ukrainischen Grenze bestehen müssen. Die mobilen Punkte für biometrische Kontrolle sind ab Mittwoch im Testbetrieb. Und ab dem ersten Januar 2018 werden sie dann vollständig funktionieren. Die biometrischen Angaben werden von Bürgern von 71 Ländern erforderlich sein, sagte dem Ukrainischen Hörfunk der Sprecher des staatlichen Zolldienstes der Ukraine Oleh Slobodjan. Die Liste der Länder mit Migrationsrisiken hat die Regierung zusammengestellt.

O-Ton: Es geht um die Länder, von denen eventuell eine Gefahr für unsere Landsleute ausgehen könnte. Das System besteht übrigens darin, dass den Bürgern dieser Länder bei der Grenzüberquerung ihre Fingerabdrücke abgenommen werden, und zwar von 5 Fingern der rechten Hand.    

Das ganze Verfahren dauere nur einige Minuten und entspreche allen europäischen Standards, sagen der Zollbeamten. Die Fingerabdrücke werden dann sofort in der Datenbank von Interpol und dem Sicherheitsdienst der Ukraine geprüft.
157 größten Grenzübergangsstellen seien mit der neuen Technik bereits ausgestattet, sagt Oleh Slobodjan:

O-Ton: Das sind die 157 Grenzübergangsstellen, an denen die Ausländer die Grenze überqueren können. Es gibt in der Ukraine insgesamt 230 Grenzübergänge, die anderen sind aber für die Vertreter anderer Länder nicht bestimmt.

Die Innovation bezieht sich hauptsächlich auf Bürger aus dem Afrikanischen Kontinent. Zur Liste der Länder, deren Bürger an der Grenze geprüft werden sollen, gehört auch die Russische Föderation. Im Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat betont man, aus dem Territorium dieses Landes kommen in die Ukraine Spione, Diversanten und Provokateure. Gleichzeitig betonte man im staatlichen Zolldienst der Ukraine, die Überprüfung der biometrischen Daten an der administrativen Grenze zur besetzten Krim betreffe nicht die Ukrainer, die dort leben. Die Grenzer unterstreichen dabei, die russischen Reisepässe mit der Registrierung auf der Krim seien ungültig.  

Nach Angaben des staatlichen Zolldienstes wurde im Jahr 2017 über 105 Tausend Fälle verschiedener Einreiseregelverletzungen festgestellt. Über 9 Tausend Personen wurden auf das ukrainische Territorium nicht durchgelassen.

Wie berichtet, hat der ukrainische Präsident Petro Poroschenko am 1. September 2017 den Beschluss des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats der Ukraine über die Verstärkung der Kontrolle bei der Einreise in die Ukraine und Ausreise aus dem Land in Kraft gesetzt.

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